Moods Zürich und die JazzBaragge: Ein Vorhang verwandelt den Konzertsaal in eine Jam-Bar
Der Trick ist so simpel, dass man ihn fast übersieht. Jeden Mittwochabend zieht jemand im Zürcher Moods einen massiven Vorhang quer durch den Raum, wenige Meter vor der Bar. Aus einem Konzertsaal mit fünfhundert Plätzen wird eine Jazzbar.
Dahinter läuft dann die JazzBaragge, eine Jam-Session, die es seit 2001 gibt — inzwischen also seit fünfundzwanzig Jahren, jede Woche.
Die Kombination ist ungewöhnlich. Das Moods ist einer der führenden Jazzclubs Europas, veranstaltet rund dreihundert Konzerte pro Saison und streamt professionell. Die JazzBaragge ist ein eigener gemeinnütziger Verein, der nichts anderes will, als dass Musiker sich mittwochs treffen und miteinander spielen. Beide teilen sich denselben Raum.
Für alle, die junge Schweizer Musiker*innen suchen, ist das der wichtigste Termin des Landes.
Steckbrief
Adresse: Moods im Schiffbau, Schiffbaustrasse 6, 8005 Zürich (Kreis 5)
Anfahrt: Haltestelle Schiffbau (Tram, Bus), Bahnhof Hard (S-Bahn)
Gebäude: ehemalige Kesselschmiede der Escher Wyss AG
Kapazität: rund 500 Plätze
Programm Moods: rund 300 Konzerte und Partys pro Saison, Jazz, World, Funk, Soul, Pop, Elektro
Jam-Session: JazzBaragge Wednesday Jam, jeden Mittwoch
Träger der Jam: Verein JazzBaragge, gemeinnützig, gegründet 28. Januar 2001
Tickets Jam: kein Vorverkauf, nur Abendkasse
Barrierefrei: ja, stufenlos begehbar
Gut für: die Schweizer Jam-Szene an einem einzigen Abend
Ein Club in der Schiffswerft
Das Moods sitzt in der ehemaligen Kesselschmiede der Escher Wyss AG, dort, wo einst Schiffe gebaut wurden. In denselben Hallen residiert das Theater Schiffbau, eine Bühne des Schauspielhauses. Der Kreis 5 ist heute eines der lebendigsten Quartiere Zürichs.
Zürich Tourismus beschreibt die Bühne als unter einheimischen Musikschaffenden heiß begehrt und ordnet den Club international unter den führenden Jazzclubs Europas ein. Das Programm ist bewusst breit: Jazz, World, Funk, Soul, Pop, Elektro. Lokale Acts und internationale Stars, wie es dort heißt — und Newcomer.
Ein Besucher bringt es auf den Punkt: bester Ort der Schweiz für globale Musik, von Latin über Funk bis zu afrikanischen Klängen, und bei maximal fünfhundert Plätzen bleibe die Nähe zwischen Künstlern und Publikum erhalten.
Das Moods streamt außerdem. Nach eigenen Angaben verfügt der Club über 750 Video-on-Demand-Aufzeichnungen und überträgt mindestens vierzigmal im Jahr live aus dem Saal.
Die JazzBaragge: eine Vereinsgeschichte
Und jetzt die eigentliche Geschichte.
Am 28. Januar 2001 starteten Dave Feusi und Peewee Windmüller den ersten Jam in der „alten" JazzBaragge an der Bederstrasse. Ein Jahr später zog man aus lokaltechnischen und finanziellen Gründen weiter — in den Club an der Waldmannstrasse, im Gebäude der Jazzschule Zürich. Damit begann eine langjährige Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste.
Der Verein war früh technikaffin. Bereits 2007 wurde die Session live ins Internet übertragen, mitsamt Podcast-Archiv und, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, einer Übertragung nach Second Life. Es gab Kooperationen mit dem jazznojazz Festival, dem Zurich Film Festival und den Stanser Musiktagen.
Seit Februar 2016 ist die JazzBaragge im Moods beheimatet. Der Verein beschreibt die Vorteile nüchtern: gute Verkehrsanbindung, professionelle Vermarktung durch das Moods, und die Ausstrahlung des bekanntesten Jazzclubs der Schweiz. Über 250 Jazzkonzerte im Moods pro Jahr ergäben zusätzliches kreatives Potenzial.
An der Kernidee, betont der Verein, werde jedoch bewusst festgehalten.
Wie die Jam abläuft
Der Ablauf ist klassisch und funktioniert seit einem Vierteljahrhundert.
Eine Jam Band eröffnet den Abend. Danach beginnen, wie es der Veranstalter formuliert, lebhafte Tongespräche zwischen Musikern, die spontan auf der Bühne aufeinandertreffen. Lokale, nationale und internationale Musiker*innen, Musikstudierende und Interessierte — die Session versteht sich ausdrücklich als praxisorientierter Austausch.
Die Besetzungen der Jam Bands lesen sich wie ein Querschnitt der Schweizer Szene. Ein Blick ins Programm zeigt Formationen mit Bassklarinette, Gitarre, Bass und Schlagzeug, dazu Themenabende wie eine „Singer's Night".
Zum 25-jährigen Jubiläum engagiert der Verein einmal monatlich eine Jam Band, in der mindestens eine Musikerin mitwirkt, der*die schon im Gründungsjahr dabei war. Das Motto: 25 Jahre später — eine Retrospektive.
Tickets gibt es nicht im Vorverkauf, nur an der Abendkasse.
Ein Wort zum Eintritt
Hier ist Vorsicht geboten, weil im Netz unterschiedliche Zahlen kursieren.
Ein Besucher nennt acht Franken und bezeichnet das als Pflichttermin für Jazzfreunde. Die JazzBaragge selbst nennt auf ihrer Website einen Eintrittspreis von fünfzehn Franken für Specials.
Der reguläre Preis dürfte also irgendwo darunter liegen. Sicher ist: Die Session ist für Schweizer Verhältnisse sehr günstig. Wer es genau wissen will, prüft die Website des Vereins.
Bemerkenswert ist ein Detail, das die JazzBaragge freiwillig anbietet: Der Verein unterstützt die KulturLegi, einen Ausweis für Menschen mit knappem Budget. Damit gibt es fünfzig Prozent Rabatt auf den Eintritt und eine Vereinsmitgliedschaft zum Studierendentarif. Ein Jazzclub, der aktiv dafür sorgt, dass Geld kein Ausschlusskriterium ist, hat verstanden, wovon eine Szene lebt.
Praktisches für den Besuch
Anfahrt mit Tram oder Bus bis Schiffbau, mit der S-Bahn bis Bahnhof Hard.
Barrierefrei — das Moods ist nach Angaben von Zürich Tourismus stufenlos begehbar.
Die Bar ist Teil des Konzepts. Musikfans und Musiker plaudern dort oft bis spät in die Nacht.
Für die Jam: kein Vorverkauf, nur Abendkasse. Bargeld ist keine schlechte Idee.
Wer nicht kommen kann, findet Live-Sessions und Konzertstreams online.
Warum der Mittwoch für Newcomer zählt
Die Schweiz ist teuer, und das gilt auch für ihre Kultur. Umso bemerkenswerter ist, was mittwochs im Moods passiert.
Für wenige Franken sitzt man in einem der führenden Jazzclubs Europas und sieht, wer in der Schweizer Szene gerade spielt. Nicht die gebuchten Acts, sondern die, die von selbst kommen — Studierende, Berufsmusiker*innen zwischen zwei Gigs, Leute mit einem Instrument und Zeit.
Der Vergleich mit Deutschland drängt sich auf. Die Unterfahrt in München ist strukturell ähnlich: ein großer, geförderter Club mit eigener Nachwuchs-Session. Der Unterschied liegt im Träger — in München organisiert der Club selbst, in Zürich ist die Jam ein eigenständiger Verein, der nur zu Gast ist.
Das hat eine Konsequenz, die man nicht unterschätzen sollte: Die JazzBaragge muss niemandem gefallen. Sie ist keine Programmlinie, die sich rechnen muss, sondern ein Selbstzweck. Ein Verein mit dem erklärten Ziel, diese Session mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten.
Fünfundzwanzig Jahre lang hat das funktioniert.
Die zweite Schweizer Adresse für Nachwuchs ist der Jazzcampus in Basel, wo Hochschule, Club und Tonstudio zusammenliegen. Die dritte ist das Mehrspur im Zürcher Toni-Areal, das zur ZHdK gehört — jener Hochschule, mit der die JazzBaragge schon in den Nullerjahren zusammenarbeitete. Der Überblick über den gesamten Raum steht unter Live-Musik im DACH-Raum.
Häufige Fragen
Wann ist die Jam-Session im Moods Zürich?
Jeden Mittwoch. Die JazzBaragge Wednesday Jam wird vom gleichnamigen gemeinnützigen Verein getragen und läuft seit 2001, seit Februar 2016 im Moods.
Was kostet die JazzBaragge?
Die Angaben schwanken. Ein Besucher nennt acht Franken, die Website des Vereins nennt fünfzehn Franken für Specials. Der Eintritt ist für Schweizer Verhältnisse günstig, den aktuellen Preis prüft man am besten direkt beim Verein. Es gibt keinen Vorverkauf, nur Abendkasse.
Kann man bei der JazzBaragge mitspielen?
Ja. Nach dem Auftakt der Jam Band steht die Bühne für spontane Begegnungen offen — die Session versteht sich als Austausch zwischen Musikern, Musikstudierenden und Interessierten.
Wo liegt das Moods?
Im Schiffbau an der Schiffbaustrasse 6 in Zürich-Kreis 5, in der ehemaligen Kesselschmiede der Escher Wyss AG. Die Haltestelle Schiffbau liegt direkt am Haus.
Welche Musik läuft im Moods?
Jazz, World, Funk, Soul, Pop und Elektro. Der Club veranstaltet rund 300 Konzerte und Partys pro Saison und streamt mindestens vierzigmal im Jahr live.
Stand: Juli 2026. Programm und Preise können sich ändern — aktuelle Infos auf moods.ch und jazzbaragge.ch.
Quellen
- JazzBaragge – offizielle Website (Wednesday Jam, Jubiläum, Jam-Band-Besetzungen, KulturLegi, Preisangabe für Specials)
- JazzBaragge – Verein (Gründung 2001, Standortwechsel, ZHdK-Kooperation, Umzug ins Moods 2016, Streaming-Historie, Vorhang-Konzept)
- Moods – Programm (Konzertzahl, Genres, Video-on-Demand, Streaming)
- Zürich Tourismus – Moods (Gebäudegeschichte, Einordnung, Barrierefreiheit)
- kulturzüri – JazzBaragge Wednesday Jam (Ablauf der Session, Abendkasse)
- Schweiz Tourismus – JazzBaragge Wednesday Jam (Plattform-Funktion, kein Vorverkauf)
- Google Places (Besucherbewertungen zu Eintritt und Atmosphäre, abgerufen am 11.07.2026)