ZWE Wien: Das Kaffeehaus, das aus Versehen Wiens beste Jam-Session wurde
Helmut Rainer suchte 2007 ein Lokal für ein Kaffeehaus. Was er fand, war ein Keller in der Floßgasse — und ein Souterrainlokal, so beschreibt er es selbst, lässt sich nur schwer als klassisches Wiener Kaffeehaus betreiben.
Also machte er ein Jazzbeisl daraus. Gedacht war es als Jazzcafé mit Musik aus der Konserve und vielleicht ein, zwei Konzerten im Monat.
Dann fanden die Musiker den Laden.
Der Geiger Mario Gheorghiu und der Kölner Gitarrist Thiemo Kirberg initiierten die ersten Jam-Sessions. Sie brachten Verstärker mit — als Dauerleihgabe. Als 2008 auch noch der Schweizer Saxofonist Roman Schwaller in die Nachbarschaft zog, gab es kein Halten mehr.
Heute nennen Musiker die Dienstags-Session im ZWE die beste Jam der Stadt. Ein Besucher rechnet vor: halb so teuer wie das Ronnie Scott's in London, doppelt so lange Musik, dasselbe Niveau.
Steckbrief
Adresse: Floßgasse 4, 1020 Wien (Leopoldstadt, nahe Donaukanal)
Eröffnet: 2007
Betreiber: Helmut „Zwe" Rainer
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 18 Uhr
Live-Musik: sechs Abende die Woche, Konzertbeginn 20 Uhr
Jam-Session: dienstags, wöchentlich — dazu weitere Sessions im Monat
Eintritt Konzerte: 15 Euro regulär, 10 Euro für Studierende
Eintritt Sessions: freier Musikbeitrag
Zahlung: nur bar
Stilistik: Jazz als Hauptgenre, dazu Soul und Funk (mindestens monatlich)
Rauchfrei und klimatisiert seit 1. September 2017
Gut für: mitspielen, ohne dass es etwas kostet
Tipp: Reservieren. Der Laden ist klein
Eine Geschichte glücklicher Zufälle
Der Club erzählt seine Entstehung selbst unter dieser Überschrift, und sie ist zu gut, um sie zu kürzen.
Nach dem Umbau zum Jazzcafé entdeckten Musiker aus der Umgebung den Keller. Wer zuerst da war — Gheorghiu oder Kirberg —, lässt sich nach Darstellung des Hauses nicht mehr klären. Fest steht, dass beide in unregelmäßigen Abständen Jam-Sessions anzettelten.
Dann kam die Ausstattung, und zwar auf ungewöhnliche Weise: Ein neues Klavier, dazu ein Bassverstärker als Dauerleihgabe von Mario Gheorghiu und ein Gitarrenverstärker von Thiemo Kirberg. Die Musiker rüsteten den Laden aus, in dem sie spielen wollten.
Im Sommer 2008 hatten Kirberg und Schwaller die Idee, einen Sommer lang jeden Mittwoch die besten Jazzmusiker zum Jammen zusammenzutrommeln. Es funktionierte. Ab Herbst wechselte die Session auf den Dienstag, zunächst monatlich.
Der Wirt war skeptisch. Als Unternehmer, schreibt er, müsse man halt auch rechnen. Er ließ sich überzeugen.
Heute ist die Tuesday Jam-Session wöchentlich und heißt unter Musikern, wie das Haus zitiert, der „best Jam in town". Parallel wurden die Konzerte häufiger. Plötzlich, heißt es in der Chronik, wollten alle im ZWE spielen.
Sechs Abende, ein Wohnzimmer
Das ZWE beschreibt sich als kleiner, gemütlicher Jazzclub mit Wohnzimmer-Atmosphäre. Das Motto steht auf der Website: „life is a party — easy going and keep swinging".
Der Betreiber selbst formuliert das Programm nüchterner: Man habe sich auf Live-Musik an sechs Abenden pro Woche spezialisiert, Hauptgenre sei Jazz. Mindestens einmal im Monat, oft zweimal, kämen Soul und Funk dazu — je nachdem, wie es sich aus den Musikeranfragen ergebe.
Der letzte Halbsatz ist bemerkenswert. Das Programm richtet sich nach dem, was die Musiker anbieten. Nicht umgekehrt.
Die Sessions haben eigene Formate. Neben der Dienstags-Jam gibt es Themenabende — etwa eine „Session for Singers", geleitet von einer Sängerin, mit einer Band, die für die Gäste bereitsteht. Die Aufforderung lautet sinngemäß: Bring deine Noten und deinen Mut mit.
Dazu kommen Universitätsveranstaltungen. Das ZWE kooperiert unter anderem mit der JAM Music Lab Universität und hat auch Jam-Sessions von Studierenden der Kunstuniversität Graz beherbergt.
Die Preise: der eigentliche Punkt
Hier wird es für Musiker und Scouts gleichermaßen interessant.
Konzerte kosten 15 Euro regulär, 10 Euro für Studierende.
Sessions kosten gar nichts — es gilt ein freier Musikbeitrag. Man gibt, was man geben will.
Kartenzahlung gibt es nicht. Bargeld ist Pflicht, darauf weisen sowohl der Club als auch zahlreiche Besucher hin.
Ein Besucher, der offenbar beide Häuser kennt, bringt es auf die erwähnte Formel: halb so teuer wie das Ronnie Scott's, doppelt so viel Musik, gleiches Niveau. Man kann das für Enthusiasmus halten. Man kann es aber auch nachrechnen — und dann stimmt es ungefähr.
Praktisches für den Besuch
Reservieren. Der Laden ist klein und wird nach übereinstimmenden Berichten schnell voll.
Bargeld mitbringen. Für den Eintritt und für alles andere.
Die Küche ist überschaubar. Getränke, kleine Speisen, Toast.
Rauchfrei und klimatisiert ist der Club seit September 2017 — in Wien keine Selbstverständlichkeit.
Konzertbeginn offiziell um 20 Uhr, geöffnet ab 18 Uhr.
Warum der Club für Newcomer zählt
Wien hat drei Jazzbühnen, die man kennen muss, und sie erfüllen völlig verschiedene Funktionen.
Porgy & Bess ist das Flaggschiff — dorthin will man, wenn man angekommen ist. Der Louisiana Blues Pub ist die niedrigschwelligste Bühne, mit Blues-Jam und Hutgeld.
Das ZWE liegt dazwischen, und genau das macht es wertvoll.
Es ist ein ernstzunehmender Jazzclub mit sechs Live-Abenden pro Woche — und gleichzeitig ein Ort, an dem man dienstags einfach mitspielen kann, ohne Eintritt zu zahlen. Die Session gilt unter Musikern als die beste der Stadt, was bedeutet: Dort kommen die Guten hin.
Für ein Label heißt das konkret: An einem Dienstagabend sieht man im ZWE die Wiener Szene in Aktion. Nicht die gebuchten Acts, sondern die, die freiwillig kommen — Studierende, Berufsmusiker, Leute mit einem Instrument.
Der Studierendentarif von zehn Euro ist dabei kein Detail. Er sorgt dafür, dass auch die Konzerte für junge Musiker erschwinglich bleiben. Ein Club, in dem sich Studenten das Publikumssein leisten können, hat ein anderes Publikum.
Die Parallele in Deutschland ist das Donau115 in Berlin — klein, unabhängig, mit offener Bühne und einem Publikum, das zuhört. Der Überblick über den gesamten Raum steht unter Live-Musik im DACH-Raum.
Häufige Fragen
Wann ist die Jam-Session im ZWE?
Dienstags, wöchentlich. Sie gilt unter Wiener Musikern als beste Jam der Stadt. Dazu kommen weitere Sessions im Monatsprogramm, etwa spezielle Abende für Sängerinnen und Sänger.
Was kostet der Eintritt im ZWE?
Konzerte kosten 15 Euro, für Studierende 10 Euro. Bei Sessions gilt ein freier Musikbeitrag. Kartenzahlung ist nicht möglich, es wird nur Bargeld akzeptiert.
Wo liegt das ZWE?
Floßgasse 4 im zweiten Wiener Bezirk (Leopoldstadt), nahe dem Donaukanal. Der Club sitzt in einem Kellerlokal.
Kann man im ZWE mitspielen?
Ja. Die Sessions sind offen — man bringt sein Instrument mit. Das Haus verfügt über ein Klavier sowie Bass- und Gitarrenverstärker, die ursprünglich Dauerleihgaben von Musikern waren.
Welche Musik läuft im ZWE?
Hauptgenre ist Jazz, an sechs Abenden pro Woche. Mindestens einmal monatlich kommen Soul und Funk dazu, je nach Anfragen der Musiker.
Stand: Juli 2026. Programm und Preise können sich ändern — aktuelle Termine auf zwe.cc.
Quellen
- ZWE – Lokalgeschichte (Entstehung, Kaffeehaus-Ursprung, Instrumenten-Leihgaben, Entwicklung der Tuesday Session)
- ZWE – offizielle Website (Programm, Termine)
- Jazzreportagen – Jazzclub ZWE Wien (Eintrittspreise, Studierendentarif, freier Musikbeitrag bei Sessions, keine Kartenzahlung)
- imGrätzl – Jazzcafe ZWE (Selbstbeschreibung, Öffnungszeiten, rauchfrei seit 2017, Universitätsveranstaltungen)
- Yelp – ZWE (Betreiberangaben zu Programmstruktur, Jazz als Hauptgenre, Soul und Funk)
- Verein Jazz – Programm (Session-Formate, Besetzungen)
- Google Places (Besucherbewertungen zu Preis-Leistung, Reservierung, Bargeld, abgerufen am 11.07.2026)