Jazzit Salzburg: Der einzige Jazzclub Westösterreichs – und dienstags kostet er nichts

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Jazzit Salzburg: Der einzige Jazzclub Westösterreichs – und dienstags kostet er nichts
Foto © Mark Daniel Prohaska CC BY-NC-SA 2.0

Salzburg ist eine Musikstadt, die von einem einzigen Namen dominiert wird. Umso überraschender ist, was ein paar Gehminuten vom Zentrum entfernt in einem umgebauten Volksheim passiert.

Der Kulturverein „Jazzit – Jazz im Theater" hat Pharoah Sanders nach Salzburg geholt. Das Sun Ra Arkestra mit Marshall Allen. Tony Allen, Pat Metheny, John Scofield, Peter Brötzmann, Ron Carter, Abdullah Ibrahim, Charles Lloyd, Billy Cobham, Nubya Garcia, Bill Frisell, Lakecia Benjamin. Die Liste geht weiter.

Und jeden Dienstag findet in der Bar des Hauses eine Jam-Session statt, bei freiem Eintritt.

Der Club nennt sich selbst den einzigen einschlägigen Jazzclub Westösterreichs. Das klingt nach Understatement mit Nachdruck — und ist, soweit sich das prüfen lässt, schlicht zutreffend.


Steckbrief

Adresse: Elisabethstraße 11, 5020 Salzburg
Eröffnet: 15. Februar 2002 (Verein gegründet 1981)
Träger: Kulturverein „Jazzit – Jazz im Theater"
Gebäude: umgebautes ehemaliges Volksheim
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr, Montag und Sonntag geschlossen
Jam-Session: jeden Dienstag in der Jazzit:Bar, freier Eintritt
Mittwochs:
DJ-Line „Homebase", ebenfalls oft bei freiem Eintritt
Bilanz: über 1.650 Veranstaltungen, knapp 200.000 Besucher seit 2002
Partner: unter anderem Mozarteum Salzburg, Musikum Salzburg, Jazz & The City
Gut für: die einzige ernstzunehmende Jazzbühne Westösterreichs erleben
Achtung: Konzertsaal rollstuhlgerecht, Toiletten nur über Stufen erreichbar


Ein Verein, der seinen Namen behalten hat

Die Geschichte beginnt 1981. Damals fand mit dem Doug Hammond Trio in der früheren Elisabethbühne zum ersten Mal „Jazz im Theater" statt. Daraus wurde eine Reihe — und aus der Reihe ein Verein.

Der Name blieb, obwohl er heute irreführt. Ursprünglich spielte der Verein an wechselnden Bühnen in der Stadt, weil er keine eigenen Räume hatte. Das dauerte zwei Jahrzehnte. Erst am 15. Februar 2002 eröffnete mit dem Jazzit:Musik:Club in der Elisabethstraße eine feste Spielstätte, untergebracht im umgebauten alten Volksheim.

Seither läuft der Club als professioneller Ganzjahresbetrieb. Die Bilanz nach über zwanzig Jahren: mehr als 1.650 Veranstaltungen, knapp 200.000 Besucher. Der Club formuliert es so, dass auf seiner Bühne unzählige Musiker*innen aus verschiedensten Ländern standen — einige am Anfang ihrer Karriere, einige bereits als große Namen der internationalen Szene.

Genau diese Mischung ist der Punkt.


Ein Programm ohne Genre-Grenzen

Wer „Jazzclub" liest und Bebop erwartet, liegt daneben. Das Jazzit programmiert nach eigener Auflistung Jazz, Avantgarde, improvisierte Musik, elektronische und Neue Musik, World Music, Soul, Funk, Hip Hop — dazu, je nach Quelle, Klezmer, Tango, Reggae und New Swing.

Das ist keine Beliebigkeit, sondern Haltung. Die Maxime des Clubs lautet nach eigener Darstellung: Weiterentwicklung statt Stillstand, Offenheit gegenüber neuen, innovativen, experimentellen Ideen.

Der Club versteht sich als Speerspitze einer neuen und innovativen Musikentwicklung und will nach eigener Vision Homebase, Anlaufstelle, Treffpunkt und Experimentierstube sein — für eine Community aus Musikern, Mitarbeitern, Stammgästen und Co-Veranstaltern.

Salzburg Tourismus formuliert es knapper: Heimische Newcomer und renommierte Stars der Szene genössen gleichermaßen die ungezwungene Atmosphäre des Jazzit.


Der Dienstag: kostenlos, offen, jede Woche

Das ist der Termin, um den es hier geht.

Jeden Dienstag finden in der Jazzit:Bar Jam-Sessions statt — nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Quellen bei freiem Eintritt. Salzburg Tourismus beschreibt den Underground-Charme der Bar, in der die Sessions stattfinden.

Am Mittwoch folgt die DJ-Line „Homebase", ebenfalls häufig ohne Eintritt.

Man muss sich klarmachen, was das für eine Stadt wie Salzburg bedeutet. Es gibt keine zweite Adresse. Wer hier Jazz spielt, spielt im Jazzit. Wer Musiker*innen treffen will, geht dienstags hin. Die Konzentration, die anderswo ein Nachteil wäre, ist hier ein Vorteil: Die gesamte Szene passt in einen Raum.


Die Nachwuchsarbeit

Das Jazzit betreibt mehr als nur Konzerte. Zum Programm gehören nach Angaben der Universität Mozarteum auch Musikvermittlungs- und Workshopreihen — darunter „Jazz's cool" für Jugendliche und „Improvisation für Kinder".

Und die institutionelle Anbindung ist belegt: Zu den Partnern des Vereins zählt neben dem Take The A-Train Festival und Jazz & The City auch das Mozarteum Salzburg sowie das Musikum Salzburg, die städtische Musikschule.

Das ist der entscheidende Unterschied zu einem reinen Konzertveranstalter. Ein Club, der Kinder improvisieren lässt, Jugendliche unterrichtet und mit der Musikuniversität kooperiert, ist Teil einer Ausbildungskette — nicht bloß deren Endabnehmer.


Praktisches für den Besuch

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr. Montags und sonntags geschlossen. Dienstags und freitags geht es bis 4 Uhr.

Der Konzertsaal ist mit dem Rollstuhl zugänglich. Die Toiletten sind allerdings nur über Stufen erreichbar — das sollte man vorher wissen.

Bezahlung: Ein Besucher weist darauf hin, dass Kartenzahlung erst ab einem Mindestbetrag akzeptiert wird. Bargeld schadet nicht.

Die Bar hat eigenen Charakter und ist der Ort der Jam-Sessions.

Ein Hinweis zur Erwartung: Ein Rezensent beschreibt, dass die Musik dort auch mal fünfzehn bis zwanzig Minuten lange, nicht-traditionelle Stücke umfassen kann. Wer Standards erwartet, sollte vorher ins Programm schauen. Das Haus programmiert bewusst experimentell.


Warum der Club für Newcomer zählt

In Deutschland verteilt sich die Jazzszene auf Dutzende Bühnen. In Salzburg gibt es eine.

Das klingt nach Armut, ist aber für alle, die Musiker*innen suchen, ein Geschenk. Man muss nicht recherchieren, wo sich die Szene trifft — es gibt nur einen Ort. Und der öffnet seine Bar jeden Dienstag kostenlos.

Drei Dinge machen das Jazzit wertvoll:

Die kostenlose Dienstags-Session. Kein Eintritt heißt: Es kommen auch Musiker*innen, die kein Geld haben. Studierende des Mozarteums etwa.

Die Mozarteum-Partnerschaft. Salzburg hat eine der renommiertesten Musikuniversitäten Europas. Dass sie offizieller Partner des einzigen Jazzclubs der Stadt ist, schafft eine Verbindung, die anderswo mühsam aufgebaut werden muss.

Die Experimentierhaltung. Ein Club, der sich selbst als Experimentierstube bezeichnet und Avantgarde neben Hip Hop programmiert, zieht Musiker*innen an, die etwas ausprobieren wollen. Das ist die Sorte, die man sucht.

Die Parallele in Deutschland ist die JazzHall in Hamburg, die direkt zur Musikhochschule gehört, oder das Jazz Studio Nürnberg mit seiner Reihe „Young Lions on Stage". Das österreichische Pendant zur offenen Bühne ohne Eintritt ist der Louisiana Blues Pub in Wien — dort allerdings mit Hutgeld für die Band.

Wie sich Salzburg ins Gesamtbild fügt, steht im Überblick zur Live-Musik im DACH-Raum.


Häufige Fragen

Wann ist die Jam-Session im Jazzit Salzburg?
Jeden Dienstag in der Jazzit:Bar, nach übereinstimmenden Angaben bei freiem Eintritt. Mittwochs folgt die DJ-Line „Homebase", ebenfalls oft ohne Eintritt.

Wo liegt das Jazzit?
Elisabethstraße 11 in Salzburg, in einem umgebauten ehemaligen Volksheim. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr.

Welche Musik läuft im Jazzit?
Jazz, Avantgarde, improvisierte und elektronische Musik, Neue Musik, World Music, Soul, Funk und Hip Hop. Das Haus programmiert bewusst breit und experimentell.

Seit wann gibt es das Jazzit?
Der Verein „Jazzit – Jazz im Theater" besteht seit 1981 und spielte zunächst an wechselnden Bühnen. Der eigene Club in der Elisabethstraße eröffnete am 15. Februar 2002.

Ist das Jazzit barrierefrei?
Der Konzertsaal ist nach Angaben von Salzburg Tourismus mit dem Rollstuhl zugänglich, die Toiletten sind jedoch nur über Stufen erreichbar.


Stand: Juli 2026. Programm und Zeiten können sich ändern — aktuelle Termine auf jazzit.at.


Quellen

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