Mehrspur Zürich: Donnerstags gehört die Bühne den Newcomern
Zürich Tourismus beschreibt diesen Club in einem Satz, der für unsere Zwecke kaum treffender sein könnte: Das Mehrspur sei eine Plattform der Zürcher Hochschule der Künste, um die Talente von morgen zu zeigen.
Das ist keine Werbeformel, sondern eine Beschreibung der Programmstruktur. Der Klub liegt direkt auf dem Campus der ZHdK im Toni-Areal, ist mit dem Jazz- und Pop-Studiengang verbunden — und reserviert den Donnerstag für Newcomer und Hochschulbands.
Dazu kommen die Finals: die jährlichen Abschlusskonzerte der Bachelor- und Master-Absolventen aus Pop und Jazz. Der Club nennt sie selbst ein Sprungbrett in die Musikszene.
Wer wissen will, wie die Schweizer Musik in fünf Jahren klingt, muss donnerstags in die Förrlibuckstrasse.
Steckbrief
Adresse: Toni-Areal, Förrlibuckstrasse 109, 8005 Zürich (Zürich-West)
Eröffnet: 2014 am Toni-Areal (davor zehn Jahre in der Innenstadt)
Träger: Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, etwa 15 bis 23 Uhr
Donnerstags: Newcomer und ZHdK-Bands
Freitags: Jazz · Samstags: Soul, dazu Partys
Mittwochs: „Tonis Mittwoch" — 30 % Rabatt auf Getränke für Studierende, nur bar
Highlights: „Finals" (Abschlusskonzerte), „Output"-Konzerte, „Toni Music Lab", Jam Nights
Name: Hommage an die analoge Tontechnik — Multi Track Recording
Gut für: Abschlusskonzerte, Jam Nights, die ZHdK-Szene
Achtung: Bar-Rabatt nur gegen Bargeld
Ein Klub auf dem Campus
Das Mehrspur ist älter als sein heutiger Standort. Bevor es 2014 ins Toni-Areal zog, hatte es sich zehn Jahre lang in der Innenstadt einen Namen gemacht — im Gebäude der Jazz- und Pop-Abteilung der ZHdK an der Waldmannstrasse.
Dort saß übrigens auch die JazzBaragge, jene Jam-Session, die heute im Moods beheimatet ist. Als das Mehrspur ins Toni-Areal umzog, wanderte die Session zunächst mit — die NZZ berichtete 2014, dass der Klub mittwochs zur JazzBaragge werde.
Der Umzug bedeutete einen Sprung. Der alte Saal war flach, die Decke drückte. Der neue Klub verfügt über eine große Bühne und zwei Bars, dazu eine Galerie. Das Toni-Areal selbst — ein umgebauter Molkerei-Industriebau — beherbergt Ausstellungsräume, Konzertsäle und ein Kino.
Der Name ist eine Hommage an die analoge Tontechnik: Multi Track Recording, Mehrspuraufnahme.
Die Programmstruktur
Hier wird es konkret, und die Aufteilung ist bemerkenswert klar.
Donnerstags treten Newcomer und ZHdK-Bands auf. Das ist der Nachwuchstag, und er ist als solcher ausgewiesen.
Freitags ist Jazz. Samstags Soul, dazu Partys an beiden Abenden.
Mittwochs läuft „Tonis Mittwoch", ein Bar-Abend mit wechselnden DJs. Studierende bekommen von 15 Uhr bis Dienstschluss dreißig Prozent Rabatt auf alle Getränke — allerdings nur gegen Bargeld.
Stilistisch reicht das Programm nach Angaben des Hauses von Jazz und Electro über Indie Pop, Punk und Singer-Songwriter bis zu Soul und avantgardistischen Klängen. Das Mehrspur versteht sich als Labor für zeitgenössische Jazz- und Popmusik, in dem junge Talente und erfahrene Künstler ihre Grenzen ausloten können.
Die Formate, auf die es ankommt
Drei Reihen sind für alle interessant, die junge Musiker suchen.
Die „Finals". Die jährlichen Abschlusskonzerte der Absolventinnen und Absolventen in Bachelor und Master Pop und Jazz. Der Club selbst formuliert es so, dass diese Auftritte nicht nur ein Sprungbrett in die Musikszene seien, sondern auch ein Spiegelbild der kreativen Vielfalt an der ZHdK.
Ein Abschlusskonzert ist die Visitenkarte eines Musikers am Ende seiner Ausbildung. Öffentlich, terminiert, planbar.
Die „Output"-Konzerte. Dort präsentieren Studierende ihre Interpretationen von Jazz-Klassikern, Rockballaden und Popsongs.
Das „Toni Music Lab". Eine monatliche, ausdrücklich niederschwellige Plattform für Studierende und Dozierende der Jazz- und Popabteilung — Raum für Projekte und Experimente.
Dazu die Jam Nights. Der Club beschreibt sie als Treffpunkt, an dem Musiker unterschiedlicher Generationen und Erfahrungsstufen zusammenkommen, um zu improvisieren und voneinander zu lernen.
Musik entsteht hinter der Bühne
Ein Detail, das den Ort von jedem gewöhnlichen Club unterscheidet.
Das Mehrspur schreibt über sich: Musik werde hier nicht nur gezeigt, sondern in den Proberäumen der ZHdK hinter den Kulissen produziert. Studierende, Dozierende, Alumni und Gäste träfen in verschiedensten Ensembles aufeinander.
Das heißt in der Praxis: Der Klub ist die Bühne eines Gebäudes, in dem täglich geprobt, komponiert und aufgenommen wird. Man sieht dort nicht das Endprodukt einer Szene, sondern deren Werkstatt.
Für die Studierenden, so formuliert es das Haus, ist das Mehrspur ein wichtiger Ort, um erste Bühnenerfahrungen zu sammeln. Genau das ist der Moment, den ein Label sucht: bevor jemand routiniert wird.
Praktisches für den Besuch
Anfahrt: Toni-Areal in Zürich-West, gut mit Tram erreichbar.
Preise: Studierende werden bei den Tickets begünstigt. Der Bar-Rabatt am Mittwoch gilt nur bar.
Der Aussenbereich der Bar ist im Sommer ein Argument.
Das Publikum ist jung. Ein Besucher beschreibt es als gute Mischung aus jungen, kreativen Leuten mit entsprechend positiver Stimmung.
Der Klub wird von wechselnden Formationen aus Studierenden, Dozierenden, Alumni und Gästen bespielt — man weiß vorher nicht immer, wen man sieht.
Warum der Klub für Newcomer zählt
Die Schweiz hat zwei Hochschul-Jazzbühnen, und sie ergänzen sich.
Der Jazzcampus in Basel ist das größere Ökosystem — Hochschule, Club, Tonstudio, Focusyear, alles unter einem Dach. Aber sein Club nimmt keine Bewerbungen externer Bands an.
Das Mehrspur ist offener und, für unsere Frage, planbarer. Es hat einen festen Newcomer-Tag (Donnerstag), öffentliche Abschlusskonzerte (Finals), eine monatliche Experimentierplattform (Toni Music Lab) und Jam Nights.
Für ein Label heißt das: Man muss nicht auf Zufall hoffen. Man schaut in den Kalender.
Drei Dinge machen den Klub wertvoll:
Die Finals zeigen, was junge Musiker am Ende ihrer Ausbildung können — mit eigenem, monatelang vorbereitetem Material.
Der Newcomer-Donnerstag ist ein wiederkehrender Termin, an dem gezielt unbekannte Bands spielen.
Die Nähe zur Werkstatt. Wer im Mehrspur sitzt, sitzt in dem Gebäude, in dem die Musik entsteht. Nach dem Konzert steht die halbe Szene an der Bar.
Die deutschen Entsprechungen sind die JazzHall in Hamburg und das Jazz Studio Nürnberg mit seiner Reihe „Young Lions on Stage". Der Überblick über den gesamten Raum steht unter Live-Musik im DACH-Raum.
Häufige Fragen
Wo liegt das Mehrspur?
Im Toni-Areal an der Förrlibuckstrasse 109 in Zürich-West, auf dem Campus der Zürcher Hochschule der Künste. Der Klub zog 2014 dorthin, zuvor saß er zehn Jahre in der Innenstadt.
Wann treten Newcomer auf?
Donnerstags. Dieser Abend ist nach Angaben des Klubs für Newcomer und ZHdK-Bands reserviert. Freitags läuft Jazz, samstags Soul.
Was sind die „Finals"?
Die jährlichen Abschlusskonzerte der Bachelor- und Master-Absolventen aus Pop und Jazz an der ZHdK. Der Klub bezeichnet sie als Sprungbrett in die Musikszene.
Gibt es Jam-Sessions im Mehrspur?
Ja, die Jam Nights. Sie sind nach Darstellung des Hauses ein Treffpunkt für Musiker unterschiedlicher Generationen und Erfahrungsstufen.
Woher kommt der Name?
Mehrspur ist eine Hommage an die analoge Tontechnik — an das Multi Track Recording, die Mehrspuraufnahme.
Stand: Juli 2026. Programm und Zeiten können sich ändern — aktuelle Termine auf mehrspur.ch.
Quellen
- Mehrspur – About (Selbstbeschreibung, ZHdK-Anbindung, Finals, Output-Konzerte, Jam Nights, erste Bühnenerfahrungen)
- Mehrspur – Programm (Tonis Mittwoch, Bar-Rabatt, Konzertbeispiele)
- Zürich Tourismus – Mehrspur Musikklub (Einordnung als Geheimtipp, Plattform für die Talente von morgen)
- NZZ – Mehrspurige Töne im Toni-Areal (Umzug 2014, Programmschienen: Newcomer donnerstags, Jazz freitags, Soul samstags, JazzBaragge mittwochs)
- Zürich-West – Club Mehrspur (Vorgeschichte, Namensherkunft, Bar, Galerie, Konzertraum)
- kulturzüri – Toni Music Lab (monatliche Plattform für Studierende und Dozierende)
- Google Places (Besucherbewertungen, abgerufen am 11.07.2026)