King Georg Köln: Der Jazzclub, der ein Bordell gewesen sein soll (war er nicht)
Schummerige Lämpchen, goldene Stangen, ein glitzernder Kronleuchter, ein Tanzboden aus Messing. Keine Fenster. Die Tür ist verschlossen, man muss klingeln.
Man versteht sofort, warum sich um diesen Laden Gerüchte ranken. Das King Georg an der Sudermanstraße gilt vielen als ehemalige Table-Dance-Bar, als Relikt jener Kölner Halbwelt der Sechziger, die man gern „Chicago am Rhein" nannte.
Nur: Es stimmt nicht. Nach Recherche des Kulturportals Qultor hat sich dort seit der Eröffnung 1968 nie eine echte Table-Dance-Bar befunden. Der Vorgänger im Haus, das Parisiana, warb 1957 zwar mit temperamentvollen Schönheitstänzen. Aber der Mythos, den das King Georg umgibt, ist eben genau das — ein Mythos, gestützt von der Einrichtung.
Was heute dort stattfindet, ist deutlich weniger halbseiden und deutlich interessanter: Straight-Ahead-Jazz, sechs Abende die Woche, mit einer eigenen Reihe für Newcomer.
Steckbrief
Adresse: Sudermanstraße 2, 50670 Köln (am Ebertplatz)
Anfahrt: öffentlich, Ebertplatz
Eröffnet: 1968, seit September 2019 als Jazzclub in heutiger Form
Träger: Cologne Jazz Supporters e.V.
Programmleitung: Martin Sasse, Pianist
Ausstattung: hauseigener Steinway-Flügel, professionelles Streaming-Setup
Jam-Session: „King Georg Session", monatlich, Leitung Andy Haderer (WDR Bigband)
Newcomer-Reihe: „Young Talents"
Auszeichnung: mehrfach APPLAUS-Spielstättenprogrammpreis
Gut für: junge Acts sehen, die dafür auch bezahlt werden
Achtung: Tür verschlossen — klingeln
Vom Indie-Treff zum Jazzclub
Die jüngere Geschichte des Hauses ist eine Sanierungsgeschichte. Von 2008 bis 2019 war das King Georg ein angesagter Indie-Treff. Dann kam die Zäsur: 2019 stand der Laden vor mehreren Problemen gleichzeitig — die Mannschaft erschöpft, die Kassen leer, die Einrichtung zwar reizvoll, aber marode. Eine Grundsanierung war behördlich erforderlich.
Seit September 2019 ist das King Georg ein Jazzclub. Betrieben wird es vom Verein Cologne Jazz Supporters e.V., das Programm verantwortet der Pianist Martin Sasse, der nach Angaben des Fachmagazins jazz-fun selbst zu den Ausnahme-Pianisten des Landes zählt und regelmäßig am hauseigenen Steinway sitzt.
Die Neuausrichtung wurde mehrfach mit dem Spielstättenprogrammpreis APPLAUS ausgezeichnet.
Ein Club, der sendet
Ein Detail, das das King Georg von allen anderen Häusern dieser Serie unterscheidet: Es streamt.
Während der Pandemie baute der Club ein professionelles Streaming-Setup auf — ausgebildete Ton- und Videospezialisten produzieren wöchentlich Konzertmitschnitte. Das Fachmagazin jazz-fun nannte das King Georg daraufhin Deutschlands ersten digitalen Straight-Ahead-Jazzclub und sah es europaweit unter den Vorreitern. Aktuell werden nach Angaben des Magazins drei bis vier Konzerte pro Woche als Live-Stream angeboten.
Für Musiker ist das mehr als ein technisches Gimmick. Ein Auftritt im King Georg bedeutet potenziell einen professionell produzierten Konzertmitschnitt — Material, das man sonst teuer selbst herstellen müsste.
Die Reihen: hier wird es für Newcomer konkret
Das Programm läuft in klar benannten Formaten, und zwei davon sind für die Nachwuchsfrage entscheidend.
„Young Talents" ist die Reihe für die junge Generation. Und sie hat eine Eigenschaft, die man nicht oft genug hervorheben kann: Nach Darstellung von jazz-fun bot die Reihe Newcomern selbst während der Pandemie nicht nur eine Bühne, sondern auch eine Gage — in einer Zeit, in der die meisten Clubs geschlossen waren und junge Musiker gar nichts verdienten.
Ein Club, der Nachwuchs bezahlt, wenn er es sich am wenigsten leisten kann, meint es ernst.
Die „King Georg Session" ist die monatliche Jam. Geleitet wird sie von Andy Haderer, Trompeter der WDR Bigband. Das ist eine ungewöhnlich hochkarätige Besetzung für eine offene Session — wer dort mitspielt, spielt vor einem Profi, der weiß, was er hört.
Dazu kommen weitere Formate: „Female Jazz" setzt Akzente mit weiblichen Performerinnen, denen, wie der Club schreibt, früher allzu oft die Rolle der Sängerin vorbehalten blieb. Die „King Georg Allstars" sind die Hausband, „Jazz Heros" bringt etablierte Namen.
Praktisches für den Besuch
Klingeln. Wer ankommt, steht vor einer verschlossenen Tür. Das ist kein Versehen, sondern Konzept — man klingelt und wird eingelassen.
Tickets gibt es über die Website oder Eventim. Der Club selbst weist darauf hin, dass es meist auch noch ein paar Karten an der Abendkasse gibt.
Der Raum ist länglich, fensterlos, mit großer Theke. Klein. Wer spät kommt, steht.
Anreise öffentlich, der Ebertplatz ist gut angebunden.
Warum der Club für Newcomer zählt
Das Loft in Ehrenfeld und das King Georg sind die beiden Kölner Adressen dieser Serie, und sie arbeiten grundverschieden. Das Loft ist Labor und Studio, ein Ort für improvisierte und zeitgenössische Musik, getragen von einer Familie. Das King Georg ist Straight-Ahead-Jazz, professionell kuratiert, mit Streaming-Infrastruktur und Vereinsstruktur.
Für ein Label ist das King Georg aus drei Gründen relevant.
Erstens die Reihe „Young Talents". Eine benannte, wiederkehrende Newcomer-Schiene ist ein planbarer Termin — man muss nicht hoffen, zufällig auf junge Musiker zu treffen, sondern kann nachschauen, wann sie spielen.
Zweitens die Session unter Andy Haderer. Wenn ein WDR-Bigband-Trompeter monatlich eine Jam leitet, kommen dort Leute hin, die etwas können. Die Vorauswahl passiert von selbst.
Drittens die Mitschnitte. Ein Act, der im King Georg gespielt hat, hat womöglich professionelles Videomaterial — das erleichtert jede Einschätzung aus der Ferne.
Verglichen mit den täglichen Berliner Sessions ist die monatliche Kölner Jam ein seltenerer Termin. Dafür ist sie kuratierter. Wer beides kennt, hat das Spektrum abgedeckt — den Rest zeigt unsere Übersicht der deutschen Jazz-Clubs und der Überblick zur Live-Musik im DACH-Raum.
Häufige Fragen
Wann ist die Jam-Session im King Georg?
Die „King Georg Session" findet monatlich statt und wird von Andy Haderer geleitet, Trompeter der WDR Bigband. Den genauen Termin nennt der Kalender auf der Website des Clubs.
War das King Georg früher ein Bordell?
Nein. Nach Recherche des Kölner Kulturportals Qultor befand sich seit der Eröffnung 1968 nie eine echte Table-Dance-Bar in den Räumen. Die Einrichtung mit goldenen Stangen und Messingtanzboden hat den Mythos jedoch kräftig befördert.
Wo liegt das King Georg?
Sudermanstraße 2 am Ebertplatz in Köln. Die Tür ist verschlossen — man klingelt und wird eingelassen.
Welche Musik läuft im King Georg?
Straight-Ahead-Jazz, dazu DJ-Sets und weitere kulturelle Veranstaltungen. Das Programm läuft in festen Reihen: „Young Talents" für Newcomer, „Female Jazz", „King Georg Allstars" mit der Hausband und „Jazz Heros" für etablierte Namen.
Kann man Konzerte online sehen?
Ja. Der Club streamt nach Angaben des Fachmagazins jazz-fun drei bis vier Konzerte pro Woche und gilt als einer der Vorreiter für digitale Jazzangebote in Deutschland.
Stand: Juli 2026. Programm und Termine können sich ändern — aktuelle Infos auf kinggeorg.de.
Quellen
- King Georg – offizielle Website (Programm, Tickets, Reihen)
- jazz-fun.de – Deutschlands erster digitaler Straight-Ahead-Jazzclub (Streaming, Young Talents mit Gage, King Georg Session, Programmleitung Martin Sasse)
- Qultor – King Georg (Geschichte seit 1968, Parisiana-Vorgänger, Entkräftung des Bordell-Mythos, Sanierung 2019)
- KölnTourismus – King Georg (Cologne Jazz Supporters e.V., APPLAUS-Auszeichnungen)
- JazzStadt Köln – King Georg (Reihen Female Jazz, Allstars, Jazz Heros)
- Ausflug.Koeln – King Georg (Raumbeschreibung, Klingel, Ticketwege)