Neue Jazz-Funk-Bands aus der DACH-Szene 2026 – die spannendsten Newcomer

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Neue Jazz-Funk-Bands aus der DACH-Szene 2026 – die spannendsten Newcomer
Foto Bill Velapatiño

Die spannendsten neuen Jazz-Funk-Acts der DACH-Szene 2026 kommen gerade nicht aus den großen Labels. Sie kommen aus Proberäumen in Neukölln, aus den Jazz-Studiengängen in Nürnberg und München, von den Nachwuchsbühnen der Festivals. Wer wissen will, wohin sich die Szene bewegt, schaut nicht auf die Headliner, sondern eine Reihe darunter.

2026 ist dafür ein gutes Jahr. Der Deutsche Jazzpreis hat im Frühjahr ein Berliner Trio ausgezeichnet, das vor fünf Jahren noch in Jam-Sessions zusammenfand. Der NUECOMER Jazz Award in Nürnberg hat 2025 gleich drei junge Bands nach vorn gespült, die man ein Jahr später auf Clubbühnen quer durch Bayern wiederfindet. Und im Herbst öffnet das NUEJAZZ Festival erneut seine Nachwuchsschiene. Genug Stoff also, um die Namen zu sortieren, die man sich merken sollte.

Steckbrief: Newcomer-Jahrgang DACH 2026

SzeneJazz, Jazz-Funk, Nu-Jazz und ihre Fusionen im deutschsprachigen Raum
Regionale SchwerpunkteBerlin, Metropolregion Nürnberg, München
Wichtige Talentquellen 2025/26Deutscher Jazzpreis, NUECOMER Jazz Award, Jazz-Hochschulen
Nächster Szene-TerminNUEJAZZ Festival, 23. Oktober bis 15. November 2026 (Nürnberg & Erlangen)
Gemeinsamer Nennergenreoffen, live geprägt, noch abseits der großen Vermarktung

Moses Yoofee Trio: vom Jam zum Jazzpreis

Wenn ein Act aus diesem Jahrgang schon einen Fuß in der größeren Liga hat, dann dieser. Das Moses Yoofee Trio aus Berlin – Pianist Moses Yoofee, Bassist Roman Klobe, Schlagzeuger Noah Fürbringer – hat beim German Jazz Prize 2026 in der Kategorie „Bestes Debütalbum" für sein Album MYT gewonnen. Zwei Jahre zuvor war es bereits als bester Live-Act ausgezeichnet worden. Das ist keine Überraschungskarriere mehr, aber es zeigt, was in dieser Generation steckt.

Der Sound: ein Piano-Trio, das Jazz mit HipHop, Afrobeat und Breakbeat kurzschließt. Die Stücke entstehen aus langen Jam-Sessions im Neuköllner Proberaum und werden dann zu kompakten, hakenreichen Kompositionen verdichtet. Manches ist kaum hundert Sekunden lang. Nichts davon klingt akademisch, vieles davon groovt.

Anspieltipp: die EP Chasing Light (2026, erschienen bei Nils Frahms Label LEITER) fängt genau die Live-Energie ein, für die das Trio bekannt ist – aufgenommen in einer Woche im eigenen Proberaum, roh und direkt. Wer sich in die Ecke zwischen Alfa Mist, BADBADNOTGOOD und Robert Glasper hörbar findet, ist hier richtig. Über den Sommer 2026 tourt die Band quer durch Europa, von London über Kassel bis Kopenhagen.

Ein Signing-Kandidat für ein junges Label ist das Trio damit nicht mehr – es ist längst gebunden und gebucht. Aber als Maßstab, wie weit ein DACH-Newcomer in wenigen Jahren kommen kann, ist es kaum zu schlagen.

Fragments Speak: die Preisträger, die man live erwischen muss

Beim NUECOMER Jazz Award 2025 – ausgetragen im Rahmen des NUEJAZZ Festivals in der prall gefüllten Kulturwerkstatt auf AEG – gewann Fragments Speak den ersten Platz und 3.000 Euro Preisgeld. Der Wettbewerb, gemeinsam von NUEJAZZ und der Hochschule für Musik Nürnberg getragen, gilt in Bayern längst als Sprungbrett. Wer hier vorne landet, spielt im Festivalprogramm und steht im Kontakt-Radar von Veranstaltern und Journalisten.

Ehrlich gesagt: Über den reinen Award hinaus ist von Fragments Speak online noch wenig greifbar. Kein prominentes Album, keine breite Streaming-Präsenz, dazu kaum Spuren in den sozialen Netzen. Für ein Urteil über den Sound fehlt schlicht die belastbare Grundlage. Und lieber kein Anspieltipp aus zweiter Hand als einer, der erfunden wäre.

Genau das macht die Band aber A&R-interessant. Ein Act, den man noch nicht überall findet, ist ein Act, bei dem man früh dran sein kann. Die realistische Empfehlung lautet hier: nicht auf Spotify suchen, sondern die Konzertkalender der Metropolregion Nürnberg im Auge behalten und Fragments Speak live erwischen, bevor es andere tun.

Silberwort Ensemble: drei Stimmen, ein Vibraphon, viel Eigensinn

Den dritten Platz beim selben NUECOMER Award 2025 holte das Silberwort Ensemble aus Nürnberg – und das ist der Act aus dieser Runde mit der ungewöhnlichsten Besetzung. Drei Sängerinnen, Simona Hellwig, Franziska Graz und Laura Detterbeck, verweben dreistimmigen Gesang mit Vibraphon, dazu Body- und Mouthpercussion. Kein Schlagzeug, kein Bass im klassischen Sinn. Der Groove entsteht aus Stimmen und Körper.

Inhaltlich erzählt das Ensemble Geschichten aus weiblicher Perspektive: über Fremdbestimmung, Grenzen, Fernweh, mit deutsch- und englischsprachigen Texten, teils selbst geschrieben. Musikalisch bewegt sich das zwischen Jazz, Pop und Avantgarde, mit viel Raum für Improvisation und Lautmalerei. Das klingt nach reichlich Konzept auf einmal. In der Live-Beschreibung der Auftritte wirkt es eher konzentriert als überladen.

Eine breite Aufnahme zum Nachhören gibt es bislang nicht. Wer den Klang einordnen will, ist auch hier auf die Bühne verwiesen – 2026 spielt das Ensemble unter anderem im fränkischen Raum. Für ein Magazin, das genau solche Acts früh begleiten will, ist das weniger ein Manko als eine Einladung.

Was den Jahrgang zusammenhält

Drei Acts, drei sehr unterschiedliche Klangwelten – und trotzdem ein roter Faden. Alle drei sind aus der Live-Szene und aus den Hochschulen gewachsen, nicht am Reißbrett entstanden. Alle drei denken genreoffen: Jazz ist hier kein Reinheitsgebot, sondern ein Ausgangspunkt, an den sich Funk, HipHop, Pop oder Elektronik andocken lassen. Und alle drei stehen an dem Punkt, an dem sich entscheidet, ob aus einem Preis eine Karriere wird.

Auffällig ist auch, wie sehr sich diese Generation an Fusionen abarbeitet, statt sie zu meiden. Das Moses Yoofee Trio ist das prominenteste Beispiel, aber der Reflex zieht sich durch: rhythmische Komplexität aus dem Jazz, Direktheit aus Beat-Kultur und Pop. Wer die Sub-Genres dahinter sortieren will – von Nu-Jazz bis Jazz-Funk –, findet in unserem Genre-Guide zu Jazz, Funk, Rock und ihren Fusionen die Einordnung.

Wo es 2026 weitergeht

Der nächste große Prüfstein steht im Herbst. Das NUEJAZZ Festival läuft 2026 vom 23. Oktober bis zum 15. November in Nürnberg und Erlangen und bringt wie jedes Jahr internationale Namen und regionalen Nachwuchs auf dieselben Bühnen. Der NUECOMER Jazz Award geht in eine neue Runde, diesmal unter dem Thema „Miles & Trane" und erstmals offen für Studierende der Musikhochschulen in Nürnberg, München und Würzburg. Dort dürfte der Jahrgang 2027 seine ersten Namen bekommen.

Bis dahin lohnt der Blick auf die Formationen, die schon jetzt in der Region auffallen – etwa die Nürnberger Band Eazz., die Jazz, Funk, Rock, Soul und HipHop in einen einzigen Set packt und beim Festival im Programm steht. Genau diese Mischung ist es, um die es in dieser Szene gerade geht.

Wer tiefer einsteigen will, findet die einzelnen Acts in unseren Porträts – zum Moses Yoofee Trio, zu Fragments Speak und zum Silberwort Ensemble – und im Überblick zur Live-Musik in der DACH-Szene, wo diese Bands live zu sehen sind.

Häufige Fragen zu neuen Jazz-Funk-Bands in der DACH-Szene 2026

Welche neuen Jazz-Funk-Bands lohnen sich 2026 in Deutschland? Zu den spannendsten Newcomern zählen das Moses Yoofee Trio aus Berlin (German Jazz Prize 2026 für das beste Debütalbum), sowie die NUECOMER-Preisträger 2025 Fragments Speak und Silberwort Ensemble aus der Metropolregion Nürnberg.

Wo kann ich diese Newcomer live sehen? Viele der genannten Acts spielen auf Festivals und Clubbühnen im deutschsprachigen Raum. Ein zentraler Termin ist das NUEJAZZ Festival vom 23. Oktober bis 15. November 2026 in Nürnberg und Erlangen, das gezielt Nachwuchs und internationale Acts zusammenbringt.

Was ist der NUECOMER Jazz Award? Der NUECOMER Jazz Award ist ein Nachwuchswettbewerb, den das NUEJAZZ Festival gemeinsam mit der Hochschule für Musik Nürnberg ausrichtet. Er richtet sich an Jazz-Studierende bayerischer Musikhochschulen, ist mit Stipendien dotiert und platziert die Preisträger im Festivalprogramm.

Wie klingt das Moses Yoofee Trio? Das Berliner Piano-Trio verbindet Jazz mit HipHop, Afrobeat und Breakbeat. Der Sound entsteht aus Jam-Sessions und wird zu kompakten, groove-orientierten Stücken verdichtet – für Hörerinnen und Hörer von Alfa Mist, BADBADNOTGOOD oder Robert Glasper.


Quellen

Stand: Juli 2026. Programme, Releases und Termine ändern sich – vor dem Besuch lohnt der Blick auf die jeweilige Website.

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