Moses Yoofee Trio im Porträt: Jazz, HipHop und Afrobeat aus Neukölln
Es fängt mit einer Jam-Session an. 2020, Berliner Jazz-Institut, Pianist Moses Yoofee trifft auf Bassist Roman Klobe. Klobe schlägt vor, mal mit seinem Freund Noah Fürbringer zusammenzuspielen, der damals im Süden Deutschlands lebt, aber oft in Berlin ist. Die erste gemeinsame Session sitzt sofort. „Instant love", hat Moses das später genannt. Aus diesem Nachmittag ist eine der meistdiskutierten jungen Bands des deutschen Jazz geworden.
Steckbrief
| Besetzung | Moses Yoofee (Piano, Keys), Roman Klobe (Bass), Noah Fürbringer (Drums) |
| Herkunft | Berlin, Proberaum in Neukölln |
| Gegründet | 2020 |
| Genre | Jazz zwischen HipHop, Afrobeat, R&B und Breakbeat |
| Label | LEITER (Nils Frahm) |
| Auszeichnungen | German Jazz Prize 2024 (Live Act), German Jazz Prize 2026 (Bestes Debütalbum) |
| Aktuell | EP „Chasing Light" (2026), Europa-Tour |
| Für Fans von | Alfa Mist, BADBADNOTGOOD, Yussef Dayes, Robert Glasper |
Drei Musiker, ein gemeinsamer Nenner
Alle drei waren schon vor der Bandgründung tief in der Szene unterwegs – als Sidemen, Produzenten, Tourmusiker für ganz unterschiedliche Acts. Moses Yoofee, aufgewachsen in Potsdam und Berlin, galt früh als Ausnahmetalent. Der Tagesspiegel nannte ihn mit vierzehn ein „junges Jazz-Genie". Als die drei 2020 zusammenfanden, brachten sie also längst Handwerk mit – was man dem Trio anhört, ohne dass es je akademisch klingt.
Das Prinzip ist bis heute dasselbe: Die Stücke entstehen aus langen Jam-Sessions im Neuköllner Proberaum, roh und intuitiv. Erst danach werden sie geschliffen und zu kompakten Kompositionen verdichtet. Manches bleibt kaum hundert Sekunden lang. Die Band selbst fasst ihre Ziele in drei Worten zusammen: „Emotionen, Momente und Banger."
Wie es klingt
Ein Piano-Trio, klar, aber eines, das die Konventionen des Formats ständig unterläuft. Über einem Fundament aus komplexen Rhythmen legen sich Afrobeat-Synkopen, Breakbeat-Drums und Melodien, die im Ohr bleiben. Es groovt, ohne anbiedernd zu sein, und es ist anspruchsvoll, ohne verkopft zu wirken. Präzise, aber nicht steif. Experimentell, aber unprätentiös.
Live entlädt sich das in einer Mischung aus höchster Konzentration und Energie. Mal zieht die Band das Publikum in tiefes Zuhören, mal wird es unwiderstehlich tanzbar. Wer die Vergleiche mag: Das Trio steht in einer Reihe mit Alfa Mist, BADBADNOTGOOD, Yussef Dayes und Robert Glasper – jener Generation, die Jazz und Beat-Kultur nicht als Gegensätze begreift.
Vom Mini-Album zum German Jazz Prize
Der Weg lässt sich an den Releases ablesen. 2023 kam das Mini-Album Ocean, das schon zeigte, wie gut das Trio mit vertrackten Rhythmen und schwebenden Melodien umgeht. 2024 folgte die erste Auszeichnung: der German Jazz Prize als Live-Act des Jahres. Im Februar 2025 dann das eigentliche Debütalbum MYT, erschienen bei Nils Frahms Label LEITER. Aufgenommen wurde es über zehn Tage in den Glaswald-Studios im Umland von Stuttgart, zwei weitere Stücke entstanden in LEITERs Funkhaus-Studio in Berlin.
MYT landete auf mehreren Bestenlisten und brachte dem Trio 2026 den German Jazz Prize für das beste Debütalbum ein. Und es schickte die Band auf eine ausgedehnte Tour, auf der sie ihre Live-Show weiter zuspitzte.
Was gerade läuft: „Chasing Light"
Aus der Energie dieser Tour ist die jüngste Veröffentlichung entstanden. Für die EP Chasing Light zog sich das Trio Ende 2025 für eine Woche in den eigenen Neuköllner Proberaum zurück, lieh sich Mikrofone und drückte immer dann auf Aufnahme, wenn eine Idee saß. „Wir wollten in unserem eigenen Raum sein, um eine besondere, entspannte Atmosphäre zu schaffen, die uns frei zum Ausprobieren lässt", sagt Moses Yoofee. Das Ergebnis ist die bisher instinktivste und ungezügeltste Aufnahme der Band – sechs Stücke, die die Live-Energie direkt einfangen. Erhältlich ist die EP auf limitiertem Vinyl und digital.
Wer das Trio zum ersten Mal hört, ist mit Chasing Light deshalb gut bedient: Es klingt genau so, wie die Band auf der Bühne funktioniert.
Was als Nächstes ansteht
Über den Sommer 2026 tourt das Moses Yoofee Trio quer durch Europa, von London über Kassel bis Kopenhagen. Gebucht wird es inzwischen international, gesignt ist es bei LEITER. Der Sprung aus der Berliner Clubszene in die größeren Häuser ist längst vollzogen. Für die DACH-Szene ist das Trio damit weniger ein Geheimtipp als ein Beweis: dass ein Act, der in einer Jam-Session beginnt, in wenigen Jahren ganz oben ankommen kann.
Wer sehen will, aus welchem Umfeld solche Bands kommen, findet in unserem Überblick zu den neuen Jazz-Funk-Bands der DACH-Szene 2026 weitere Namen – und in der deutschen Nu-Jazz-Szene spielt Moses Yoofee übrigens auch mit: am Keyboard des Berliner Nonetts Wanubalé.
Häufige Fragen zum Moses Yoofee Trio
Wer ist das Moses Yoofee Trio? Ein Berliner Piano-Trio, gegründet 2020: Moses Yoofee (Piano), Roman Klobe (Bass) und Noah Fürbringer (Schlagzeug). Ihr Sound verbindet Jazz mit HipHop, Afrobeat und Breakbeat.
Welche Preise hat das Moses Yoofee Trio gewonnen? Den German Jazz Prize 2024 als Live-Act des Jahres und den German Jazz Prize 2026 für das beste Debütalbum („MYT").
Wie heißt das aktuelle Release? Die EP „Chasing Light" (2026), aufgenommen im eigenen Neuköllner Proberaum, erschienen bei LEITER auf Vinyl und digital.
Wie klingt das Moses Yoofee Trio? Groove-orientierter Jazz mit HipHop- und Afrobeat-Einflüssen, entstanden aus Jam-Sessions und verdichtet zu kompakten Stücken – für Fans von Alfa Mist, BADBADNOTGOOD und Robert Glasper.
Quellen
- LEITER Verlag – „Chasing Light" (EP- und Album-Angaben, Zitat Moses Yoofee, Werkchronik)
- IWAAD – Moses Yoofee Trio (Besetzung, Auszeichnungen, Bandinfo)
- Gent Jazz 2026 – Moses Yoofee Trio (Besetzung, Sound-Beschreibung, „für Fans von")
- Stereofox – „Modern Jazz Artists to Watch in 2026" (Bandgeschichte, Gründung 2020, Zitate)
- Deutscher Jazzpreis 2026 (German Jazz Prize, Einordnung als Live-Act)
Stand: Juli 2026. Termine und Releases ändern sich – aktuelle Infos auf der Seite des Labels und der Booking-Agentur.